Bleib Papa.

·Kontakt zwischen den Tagen

Mein Kind wohnt weit weg – wie bleibe ich trotzdem ein präsenter Vater?

Ein Vater sitzt zuhause bei einem Videoanruf mit seinem Kind, auf dem Tisch liegen Fotos und ein Schulkalender.
Inhalt
  1. Große Entfernung ist eine echte Hürde. Rede sie dir nicht klein
  2. Präsenz ist mehr als Kontakthäufigkeit
  3. Versuche nicht, jeden Kontakt in ein Gespräch zu verwandeln
  4. Kenne die Welt deines Kindes, obwohl du nicht dort wohnst
  5. Lass eure gemeinsame Geschichte zwischen den Treffen weiterlaufen
  6. Digitale Nähe ist kein Trostpreis
  7. Die Antwortgeschwindigkeit deines Kindes ist kein Beziehungsbarometer
  8. Je jünger dein Kind ist, desto anders funktioniert Präsenz auf Distanz
  9. Nutze digitale Nähe nicht, um die Entfernung ständig zu thematisieren
  10. Wenn ihr euch seht, braucht ihr nicht zwei Wochen Alltag in zwei Tage zu pressen
  11. Präsenz bedeutet manchmal, an den richtigen Stellen wirklich aufzutauchen
  12. Bleib informiert, ohne dein Kind zum Berichterstatter zu machen
  13. Du musst die Kilometer nicht wegmachen, um Papa zu bleiben
  14. Fang heute nicht mit mehr Kontakt an, sondern mit besserem Anschluss
  15. Häufige Fragen

Vielleicht liegen zwischen dir und deinem Kind nicht zwanzig Minuten Autofahrt, sondern zwei oder drei Stunden.

Ein spontanes „Ich hole dich nach der Schule ab“ funktioniert nicht. Wenn dein Kind am Samstag ein Fußballspiel hat, kannst du nicht einfach kurz vorbeikommen. Freunde, Lehrer, der neue Lieblingsplatz und vieles von dem, was gerade selbstverständlich zu seinem Leben gehört, sind für dich weiter weg.

Genau das kann nach einer Trennung besonders wehtun. Du bist weiterhin Vater. Aber ein großer Teil des Vaterseins passiert plötzlich an einem anderen Ort.

Die Entfernung kannst du vielleicht nicht kurzfristig verändern. Trotzdem musst du dich nicht damit abfinden, im Leben deines Kindes nur an den Tagen vorzukommen, an denen ihr euch persönlich seht. Präsent sein auf Distanz bedeutet nicht, ständig verfügbar zu sein. Es bedeutet, verlässlich Teil der fortlaufenden Geschichte deines Kindes zu bleiben.

Große Entfernung ist eine echte Hürde. Rede sie dir nicht klein

Es wäre zu einfach zu sagen: Entfernung spielt keine Rolle, solange die Beziehung stimmt.

Natürlich spielt sie eine Rolle.

Wenn die Wohnungen weit auseinanderliegen, werden spontane Begegnungen schwieriger. Fahrten kosten Zeit. Schule, Freundschaften und Hobbys des Kindes lassen sich nicht beliebig zwischen zwei Orten verschieben.

Auswertungen des Deutschen Jugendinstituts zeigen einen klaren Zusammenhang: Mit zunehmender Wohnentfernung nahm in den untersuchten Trennungsfamilien auch der Vater-Kind-Kontakt ab. Die Forschenden beschreiben außerdem, dass bei größerer Entfernung alltägliche Aktivitäten wie Schule oder Treffen mit Freunden nicht gleichermaßen von beiden Wohnorten aus möglich sind.

Das ist keine Aussage darüber, wie gut du als Vater bist.

Es beschreibt eine Rahmenbedingung.

Wenn du weit weg wohnst, musst du etwas bewusster herstellen, was bei geringer Entfernung leichter nebenbei entsteht: Einblick in den Alltag, Kontinuität und das Gefühl, weiterhin miteinander verbunden zu sein.

Präsenz ist mehr als Kontakthäufigkeit

Wenn du dein Kind vermisst, liegt eine Lösung nahe:

Öfter anrufen.

Mehr Nachrichten schicken.

Mehr fragen.

Mehr Videotelefonie.

Kontakt ist wertvoll. Aber aus viel Kontakt entsteht nicht automatisch viel Nähe.

Das Deutsche Jugendinstitut fasst den Forschungsstand zu getrennt lebenden Vätern so zusammen: Für das Wohlergehen von Kindern zeigt sich die Qualität der väterlichen Beteiligung bedeutsamer als die reine Kontakthäufigkeit. Dazu gehören unter anderem die Beziehungsqualität, kindzentriertes Erziehungsverhalten und gemeinsame Aktivitäten.

Das nimmt der gemeinsamen Zeit nicht ihren Wert. Und es bedeutet auch nicht, dass die Anzahl eurer Begegnungen egal wäre.

Es verändert nur die Frage.

Nicht:

Wie schaffe ich möglichst viel Kontakt?

Sondern:

Wie erlebt mein Kind mich in dem Kontakt, den wir haben?

Interessierst du dich wirklich für seine Welt?

Erinnerst du dich an Dinge, die ihm wichtig sind?

Hältst du Verabredungen ein?

Darf dein Kind auch einmal nicht antworten, ohne dass daraus ein Problem entsteht?

Dann kann selbst ein kurzer Kontakt etwas anderes vermitteln als bloß: Papa meldet sich.

Er kann vermitteln: Papa kennt mich.

Versuche nicht, jeden Kontakt in ein Gespräch zu verwandeln

„Wie war dein Tag?“

„Gut.“

„Was habt ihr gemacht?“

„Nichts.“

Wer ein Kind auf Distanz erlebt, kennt solche Gespräche vielleicht besonders gut. Du möchtest Anteil nehmen und bekommst kaum etwas zurück.

Das Problem ist nicht dein Interesse.

Nur fühlt sich eine Reihe von Fragen für ein Kind schnell eher nach Berichterstattung als nach Verbindung an.

Nicht jeder Kontakt braucht deshalb ein Fragezeichen.

Du kannst deinem Kind auch selbst etwas aus deinem Alltag schicken. Ein Foto vom völlig misslungenen Abendessen. Einen Insider, den nur ihr versteht. Den Hund, der gerade etwas Absurdes macht. Einen Satz wie: „Musste gerade an unseren Elfmeter vom Wochenende denken.“

Ohne anschließendes:

„Warum antwortest du nicht?“

Der Unterschied ist klein, aber wichtig.

Du forderst keinen Bericht an.

Du öffnest kurz deine Tür und sagst sinngemäß: Du kommst in meinem Alltag vor.

Kenne die Welt deines Kindes, obwohl du nicht dort wohnst

Präsenz zeigt sich nicht nur darin, dass dein Kind viel von dir hört.

Sie zeigt sich auch darin, was du von seinem Leben weißt.

Wie heißt der Freund, mit dem es gerade ständig unterwegs ist?

Welches Fach nervt?

Wann ist das Turnier?

Welches Buch liest es?

Worauf freut es sich nächste Woche?

Was war bei eurem letzten Gespräch noch nicht geklärt?

In einer ethnografischen Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts zu Familien, die nach der Trennung an mehreren Orten leben, beschrieben Väter genau diese Herausforderung: Sie sahen ihre Kinder regelmäßig, hatten wegen der Entfernung aber Schwierigkeiten, am normalen Leben teilzunehmen. Ein Vater schilderte beispielsweise, dass er trotz 130 Kilometern Entfernung zu einem Elternabend fuhr, weil er das Klassenzimmer und die Lehrerin seiner Töchter kennenlernen wollte. Die Untersuchung umfasste nur elf Familien und ist deshalb kein allgemeingültiger Beweis dafür, was jeder Vater tun sollte. Sie macht aber sehr anschaulich, worum es bei Präsenz auf Distanz gehen kann: nicht nur das Kind sehen, sondern seine Welt kennen.

Du musst dafür nicht zu jedem Schultermin mehrere hundert Kilometer fahren.

Aber du kannst dir Details merken.

Wenn dein Kind am Dienstag einen Mathetest schreibt, frag nicht eine Woche später allgemein: „Und, Schule alles gut?“

Frag am Dienstagabend oder beim nächsten Kontakt: „Wie lief Mathe heute?“

Plötzlich geht es nicht mehr darum, dass Papa weit weg wohnt.

Es geht darum, dass Papa zugehört hat.

Lass eure gemeinsame Geschichte zwischen den Treffen weiterlaufen

Ein häufiges Problem bei großer Entfernung ist, dass jedes Treffen wie ein Neustart wirkt.

Abholen.

Erst einmal wieder aneinander gewöhnen.

Ein schönes Wochenende verbringen.

Zurückbringen.

Warten.

Beim nächsten Mal wieder von vorne.

Du kannst diesem Muster etwas entgegensetzen: Dinge, die nicht mit dem Wochenende enden.

Vielleicht baut ihr an etwas, das beim nächsten Treffen weitergeht.

Ihr habt ein gemeinsames Fotoalbum.

Eine Fußball-Tippliste.

Eine Minecraft-Welt.

Ein Buch, das ihr beide lest.

Eine Serie, bei der ihr bestimmte Folgen gemeinsam schaut.

Einen Zettel bei dir zuhause mit Dingen, die ihr „beim nächsten Mal“ machen wollt.

Der Inhalt ist gar nicht das Entscheidende.

Entscheidend ist die Botschaft dahinter:

Unsere gemeinsame Geschichte macht zwischen zwei Treffen keine Pause.

Genau diese Kontinuität passt zur Grundidee von BLEIB PAPA: Nicht immer mehr Kontakt schaffen, sondern Formen von Verbindung entwickeln, die sich natürlicher und selbstverständlicher anfühlen.

Digitale Nähe ist kein Trostpreis

Telefon, WhatsApp, FaceTime oder Sprachnachrichten werden manchmal behandelt, als seien sie nur die zweitbeste Lösung, solange ein persönliches Treffen nicht möglich ist.

So einfach ist es nicht.

Eine 2026 veröffentlichte Studie von Thorsten Naab und Christine Entleitner-Phleps vom Deutschen Jugendinstitut untersuchte den digitalen Kontakt von 518 Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 17 Jahren zu ihrem nicht im Haushalt lebenden Elternteil. 59,7 Prozent berichteten von digitalem Kontakt mindestens mehrmals pro Woche. Die Intensität dieses Kontakts hing unter anderem mit der von den Kindern eingeschätzten Beziehungsqualität zusammen. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber sie beweist nicht, dass häufigere Nachrichten automatisch eine bessere Beziehung erzeugen.

Genau diese Einschränkung ist wichtig.

Mach aus der Studie keine Regel wie: „Dann muss ich meinem Kind eben jeden Tag schreiben.“

Das wäre die falsche Schlussfolgerung.

Digitale Medien sind Werkzeuge. Entscheidend ist, was ihr damit macht.

Ein fünfminütiger Anruf über ein Thema, das deinem Kind gerade wirklich wichtig ist, kann mehr Verbindung enthalten als zwanzig Nachrichten am Tag.

Eine Sprachnachricht kann besser passen als ein vereinbarter Videoanruf.

Und manchmal ist gar keine Nachricht die richtige Antwort, weil dein Kind gerade Training hat, mit Freunden unterwegs ist oder einfach keine Lust auf sein Handy hat.

Die Antwortgeschwindigkeit deines Kindes ist kein Beziehungsbarometer

Gerade bei größerer Entfernung können ungelesene oder unbeantwortete Nachrichten ziemlich laut werden.

Du schreibst morgens.

Mittags keine Antwort.

Abends immer noch nichts.

Und irgendwann beginnt der Kopf:

Hat mein Kind keine Lust mehr auf mich?

Werde ich unwichtiger?

Meldet es sich nur noch, wenn es etwas braucht?

Versuch, aus einer ausbleibenden Antwort nicht sofort eine Geschichte über eure Beziehung zu machen.

Vor allem ältere Kinder haben ihr eigenes Leben. Schule, Freunde, Hobbys, Medien und irgendwann auch erste Beziehungen nehmen Raum ein.

Das soll so sein.

Du willst für dein Kind ein selbstverständlicher Papa bleiben. Selbstverständlich bedeutet aber gerade nicht, dass dein Kind bei jeder Nachricht beweisen muss, wie wichtig du ihm bist.

Wenn du merkst, dass euer bisheriger Kontakt nicht mehr gut funktioniert, sprich darüber, wenn ihr euch seht:

„Wie ist es für dich eigentlich am angenehmsten, wenn wir uns zwischendurch hören?“

Vielleicht überrascht dich die Antwort.

Je jünger dein Kind ist, desto anders funktioniert Präsenz auf Distanz

Ein Dreijähriger führt keine Vater-Kind-Fernbeziehung über seinen eigenen Messenger.

Ein Vierzehnjähriger schon eher.

Das Alter deines Kindes verändert deshalb deutlich, welche Form von Kontakt realistisch ist.

Bei kleinen Kindern können kurze, konkrete Begegnungen über Video oder Telefon besser funktionieren als ein langes Gespräch. Ein Bilderbuch zeigen, dieselbe Figur begrüßen oder kurz etwas erzählen kann greifbarer sein als zehn Minuten „Na, erzähl mal“.

Außerdem sind kleine Kinder stärker darauf angewiesen, dass der Erwachsene im anderen Haushalt technischen Kontakt überhaupt ermöglicht. Das schränkt deinen eigenen Einfluss ein.

Auch ältere Forschung des DJI zu Vaterschaft auf Distanz beschreibt diese Grenze ausdrücklich: Medien können Kommunikation, Alltagsorganisation und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit unterstützen, bei sehr jungen Kindern stoßen sie aber schneller an Grenzen und ersetzen persönliche Nähe nicht.

Schulkinder können bereits stärker an gemeinsamen Dingen anknüpfen. Du kannst dich an den Test erinnern, zusammen eine Geschichte weiterhören oder ein Projekt fortsetzen.

Bei Jugendlichen verändert sich deine Rolle erneut. Sie organisieren Kontakt zunehmend selbst. Die aktuelle DJI-Studie zeigt ebenfalls Unterschiede nach Alter bei der digitalen Kommunikation.

Das heißt für dich:

Deine Form von Präsenz darf mit deinem Kind mitwachsen.

Nutze digitale Nähe nicht, um die Entfernung ständig zu thematisieren

Wenn du weit weg wohnst, ist die Distanz ohnehin da.

Du musst sie nicht in jedem Kontakt noch einmal mit an den Tisch setzen.

„Papa vermisst dich so.“

„Es ist schlimm, dass du so weit weg bist.“

„Nur noch neun Tage.“

Natürlich darfst du sagen, dass du dein Kind vermisst.

Aber wenn fast jede Nachricht davon handelt, dass ihr getrennt seid, wird eure Beziehung irgendwann hauptsächlich durch die Abwesenheit beschrieben.

Interessanter ist, was zwischen euch trotz dieser Abwesenheit passiert.

Ein Insider.

Eine Diskussion über Fußball.

Ein Foto.

Eine Frage zum Referat.

Die Fortsetzung eures Spiels.

Ein „Viel Glück heute“.

So entsteht keine künstliche Nähe.

Es entsteht normaler Kontakt zwischen zwei Menschen, die zum Leben des anderen gehören.

Wenn ihr euch seht, braucht ihr nicht zwei Wochen Alltag in zwei Tage zu pressen

Große Entfernung erhöht schnell den Druck auf die persönlichen Treffen.

Jetzt seid ihr endlich zusammen.

Also soll die Zeit zählen.

Ausflug. Kino. Schwimmbad. Lieblingsessen. Noch etwas Besonderes am Sonntag.

Nur fehlt dir möglicherweise genau das, was du eigentlich vermisst: Alltag mit deinem Kind.

Die DJI-Forschung zu multilokalen Trennungsfamilien beschreibt dieses Spannungsfeld sehr deutlich. Väter berichteten davon, die wenige gemeinsame Zeit besonders effektiv nutzen zu wollen. Gleichzeitig fehlte ihnen genau das normale Zusammenleben, das nicht nach Event aussieht.

Wenn dein Kind bei dir ist, darf deshalb auch Wäsche gewaschen werden.

Es darf sich langweilen.

Ihr dürft einkaufen.

Hausaufgaben dürfen dazugehören.

Dein Kind darf einen Freund treffen.

Du musst aus Entfernung keinen Freizeit-Papa machen.

Gerade wenn der Alltag zwischen euch knapp geworden ist, kann ein ganz normaler Samstag etwas Wertvolles sein: Bei Papa bin ich nicht zu Besuch. Ich lebe hier auch.

Präsenz bedeutet manchmal, an den richtigen Stellen wirklich aufzutauchen

Digitale Verbindung ist hilfreich.

Sie darf aber nicht zur bequemen Ersatzlösung für alles Persönliche werden, was noch möglich wäre.

Es gibt Momente, bei denen dein tatsächliches Erscheinen eine andere Bedeutung hat.

Ein wichtiges Turnier.

Eine Aufführung.

Ein Geburtstag.

Ein Schultermin.

Ein gemeinsames Wochenende, auf das sich dein Kind verlassen hat.

Welche dieser Momente wichtig sind, hängt von eurem Leben ab. Du musst nicht bei allem dabei sein und bei großer Entfernung wird das auch gar nicht möglich sein.

Aber vielleicht lohnt sich eine andere Planung.

Statt zu versuchen, möglichst viele Termine mitzunehmen, fragst du dein Kind:

„Was wäre dir wichtig, dass ich wirklich miterlebe?“

Das ist besonders bei beruflich stark geforderten Vätern ein hilfreicher Unterschied.

Präsenz entsteht nicht dadurch, dass du jeden freien Slot füllst.

Sie entsteht auch dadurch, dass dein Kind erlebt: Wenn Papa sagt, dass er bei etwas Wichtigem kommt, dann versucht er nicht nur irgendwie Zeit freizuschaufeln. Er behandelt diesen Termin als Teil seines Lebens.

Bleib informiert, ohne dein Kind zum Berichterstatter zu machen

Wenn du weit weg bist, möchtest du möglichst viel wissen.

Das darf dein Kind aber nicht zum alleinigen Informationskanal machen.

Es muss nicht nach jedem Wochenende erzählen, was im anderen Haushalt passiert.

Es muss nicht erklären, warum ein Termin verschoben wurde.

Und es sollte nicht zwischen den Eltern organisatorische Botschaften transportieren müssen.

Wo Kommunikation mit dem anderen Elternteil möglich ist, gehören Informationen über Termine und wichtige Angelegenheiten auf die Elternebene.

Dein Gespräch mit dem Kind kann dann wieder das sein, was es sein soll:

Interesse an seinem Leben.

Nicht Informationsbeschaffung.

Das Familienportal des Bundes weist zudem darauf hin, dass Umgang rechtlich nicht nur persönliche Begegnungen umfasst, sondern auch Brief-, E-Mail- und Telefonkontakt. Bei Fragen zur Ausübung des Umgangs können Eltern Beratung und Unterstützung durch das Jugendamt erhalten.

Das wird vor allem dann relevant, wenn verlässlicher Kontakt trotz eigener Bemühungen dauerhaft kaum möglich ist. BLEIB PAPA ersetzt in solchen Situationen keine Rechts- oder Familienberatung.

Du musst die Kilometer nicht wegmachen, um Papa zu bleiben

Vielleicht wirst du einen Teil des Alltags deines Kindes verpassen.

Das ist die ehrliche Seite von großer Entfernung.

Du wirst manche Geschichten erst später hören. Manche Freunde vielleicht lange nicht kennenlernen. Nicht bei jedem kleinen oder großen Moment dabei sein.

Das lässt sich nicht mit der perfekten Kontaktstrategie wegmachen.

Aber daraus folgt nicht automatisch, dass du aus dem Leben deines Kindes verschwindest.

Die entscheidende Frage ist, was trotz der Kilometer bestehen bleibt.

Kennt Papa mein Leben?

Interessiert er sich dafür, was mir gerade wichtig ist?

Erinnert er sich?

Hält er Kontakt, ohne mich festzuhalten?

Geht unsere gemeinsame Geschichte beim nächsten Treffen weiter?

Ist er verlässlich?

Das ist eine andere Form von Vatersein als der frühere tägliche Alltag.

Aber es ist weiterhin Vatersein.

Entfernung beschreibt, wie weit eure Wohnungen auseinanderliegen. Sie entscheidet nicht allein darüber, welchen Platz du im Leben deines Kindes hast.

Fang heute nicht mit mehr Kontakt an, sondern mit besserem Anschluss

Öffne heute Abend nicht als Erstes WhatsApp.

Überleg dir zunächst, was du gerade wirklich über das Leben deines Kindes weißt.

Was beschäftigt es diese Woche?

Was steht als Nächstes an?

Welche Sache habt ihr begonnen, die beim nächsten Treffen weitergeht?

Wenn dir ein konkreter Moment einfällt, greif genau den auf. Vielleicht mit einer kurzen Nachricht. Vielleicht merkst du ihn dir für euer nächstes Gespräch.

Und wenn eure Kontakte bisher jedes Mal neu entstehen, sucht euch etwas Kleines, das weiterläuft. Keine große Vater-Kind-Tradition. Etwas, das wirklich zu euch passt.

Du musst nicht ständig beweisen, dass du trotz der Entfernung da bist.

Wichtiger ist, dass dein Kind es mit der Zeit selbstverständlich erleben kann:

Papa wohnt weit weg.

Aber Papa kennt mein Leben.

Und Papa bleibt.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich mein Kind anrufen, wenn es weit weg wohnt?

Eine richtige Zahl gibt es nicht. Alter, Alltag, Persönlichkeit und die Wünsche deines Kindes spielen eine größere Rolle als ein fester Rhythmus. Entscheidend ist, dass Kontakt verlässlich ist, ohne sich für dein Kind wie eine Verpflichtung oder Kontrolle anzufühlen.

Mein Kind antwortet oft nicht auf meine Nachrichten. Entfernt es sich von mir?

Aus einzelnen unbeantworteten Nachrichten kannst du das nicht ableiten. Vor allem ältere Kinder haben Schule, Freunde, Hobbys und einen zunehmend eigenen Alltag. Statt mehr Nachrichten hinterherzuschicken, kannst du bei eurem nächsten persönlichen Treffen fragen, welche Art von Kontakt zwischen den Treffen für dein Kind gut funktioniert.

Können Videoanrufe persönliche Treffen ersetzen?

Nein, darauf gibt die Forschung keinen Anlass. Digitale Kommunikation kann helfen, Alltag zu teilen und Verbindung über Entfernung aufrechtzuerhalten, sie ergänzt persönliche Begegnungen aber. Gerade bei kleinen Kindern sind ihre Möglichkeiten begrenzt.

Wie bleibe ich einem kleinen Kind über große Entfernung nah?

Bei kleinen Kindern funktionieren oft kurze und konkrete Kontaktmomente besser als lange Gespräche: dieselbe Geschichte weiterführen, etwas zeigen oder ein wiederkehrendes kleines Ritual. Kleine Kinder benötigen für digitalen Kontakt meist mehr Unterstützung durch einen Erwachsenen vor Ort. Persönliche gemeinsame Zeit bleibt deshalb besonders wichtig.

Wie halte ich Kontakt zu meinem Teenager, ohne zu nerven?

Gib ihm mehr Einfluss darauf, wie ihr Kontakt haltet. Eine kurze Nachricht oder ein gemeinsamer Insider kann besser funktionieren als ein festes langes Telefonat. Respektiere auch, wenn nicht sofort eine Antwort kommt. Selbstständiger zu werden bedeutet nicht automatisch, dass Papa unwichtiger wird.

Was kann ich tun, wenn wir uns nur alle paar Wochen sehen?

Versuche, zwischen den Treffen Kontinuität zu schaffen. Merk dir konkrete Dinge aus dem Alltag deines Kindes und führt etwas Gemeinsames weiter, das nicht nach jedem Besuch endet. So besteht eure Beziehung nicht ausschließlich aus einzelnen Terminen, sondern bekommt eine Geschichte zwischen den persönlichen Begegnungen.

Muss ich wegen meines Kindes näher zu ihm ziehen?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Wohnentfernung ist eine reale Hürde für häufige und spontane persönliche Kontakte, aber ein Umzug betrifft auch Arbeit, weitere Kinder, Partnerschaften, Finanzen und andere Lebensbereiche. Wenn eine Veränderung des Wohnorts tatsächlich möglich ist, lohnt es sich, ihre Auswirkungen auf das Leben deines Kindes und eure gemeinsame Zeit konkret zu prüfen, statt daraus eine moralische Pflicht abzuleiten.

Was kann ich tun, wenn digitaler Kontakt mit meinem Kind nicht ermöglicht wird?

Versuche zunächst, konkrete und kindgerechte Kontaktmöglichkeiten auf der Elternebene zu vereinbaren. Wenn verlässlicher Kontakt dauerhaft nicht möglich ist, kannst du dich beim Jugendamt oder einer Familienberatungsstelle beraten lassen. Das Familienportal des Bundes weist darauf hin, dass Umgang auch Telefon-, E-Mail- und andere Formen der Kommunikation umfasst und das Jugendamt bei der Ausübung des Umgangs beraten und unterstützen kann.

Quellen

  1. Thorsten Naab & Christine Entleitner-Phleps: Digital media as a tool for children to stay in touch with non-resident parents in Germany
  2. Esther Geisler et al. (Hrsg.): Familien nach Trennung und Scheidung in Deutschland – Beiträge „Wohnentfernung und Vater-Kind-Kontakte“ und „Oft aus der Ferne, nur temporär zusammen“
  3. Deutsches Jugendinstitut: Wenn Eltern sich streiten und trennen
  4. Familienportal des Bundes: Was regelt das Umgangsrecht?
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