Ich vermisse mein Kind nach der Trennung – was hilft?

Inhalt
- Du vermisst oft mehr als nur dein Kind
- Vermissen ist ein Gefühl, keine Handlungsanweisung
- Dein Kind sollte dein Vermissen nicht für dich tragen müssen
- Der erste Abend nach der Rückgabe braucht oft einen eigenen Plan
- Gib dem Vermissen einen Platz statt den ganzen Abend
- Rede mit Erwachsenen über den schweren Teil
- Bewegung hilft nicht, weil dein Kind dadurch weniger wichtig wird
- Du darfst die Tage ohne dein Kind auch genießen
- Bau nicht dein gesamtes Leben um die nächste Übergabe
- Verbindung darf zwischen euren Tagen bestehen
- Nicht jedes Vermissen lässt sich mit mehr Kontakt lösen
- Dein Vermissen sagt nichts darüber, wie sehr dein Kind dich gerade vermisst
- Sag deinem Kind ruhig, dass es dir wichtig ist
- Manchmal steckt hinter dem Vermissen auch Einsamkeit
- Auch dein Kind kann dich vermissen und trotzdem okay sein
- Wann du dir Unterstützung holen solltest
- Was du heute Abend tun kannst
- Häufige Fragen
Die Tür fällt ins Schloss.
Vor einer halben Stunde war dein Kind noch da. Schuhe im Flur, Stimmen in der Wohnung, irgendein halbfertiges Spiel auf dem Tisch. Jetzt ist es still.
Vielleicht räumst du noch ein Glas weg und merkst plötzlich, wie sehr dir dein Kind fehlt.
Nicht irgendwann nächste Woche. Jetzt.
Genau diese Momente können nach einer Trennung hart sein. Denn du vermisst nicht nur einen Menschen, den du liebst. Du vermisst einen Alltag, in dem Papa sein früher einfach passiert ist.
Du vermisst oft mehr als nur dein Kind
Vor der Trennung bestand Vatersein aus vielen Dingen, die kaum auffielen.
Morgens müde am Frühstückstisch sitzen.
Nach Schuhen suchen.
Zur Schule fahren.
Über Hausaufgaben diskutieren.
Abends noch einmal ins Kinderzimmer schauen.
Nach einer Trennung können genau diese unspektakulären Momente plötzlich fehlen. Zeit mit deinem Kind wird planungsabhängig und konzentriert sich vielleicht auf einzelne Tage oder Wochenenden.
Dann fühlt sich das Vermissen manchmal größer an als: „Ich hätte mein Kind gern hier.“
Es kann auch heißen:
„Ich vermisse mein Leben als alltäglicher Papa.“
Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn diesen Verlust löst du nicht dadurch, dass du dein Kind häufiger anrufst.
Ein Telefonat kann Verbindung schaffen.
Es kann dir aber keinen kompletten verlorenen Vater-Alltag zurückgeben.
Vermissen ist ein Gefühl, keine Handlungsanweisung
Du sitzt abends zuhause und möchtest dein Kind hören.
Also greifst du zum Handy.
Daran ist nichts falsch.
Schwierig wird es erst, wenn aus jedem starken Vermissen automatisch Kontakt werden muss.
Dann schreibst du vielleicht noch einmal, obwohl ihr vor einer Stunde gesprochen habt. Du schaust ständig nach einer Antwort. Oder eine kurze Reaktion deines Kindes enttäuscht dich, weil du selbst gerade viel mehr Nähe brauchst.
Hier hilft eine einfache Unterscheidung:
Ich vermisse mein Kind.
Das ist dein Gefühl.
Mein Kind braucht gerade Kontakt mit mir.
Das ist eine andere Frage.
Beides kann gleichzeitig stimmen. Es muss aber nicht.
Gerade deshalb lohnt es sich, vor dem nächsten Anruf kurz zu überlegen: Möchte ich meinem Kind gerade etwas geben oder brauche ich von ihm etwas, damit sich meine Leere für einen Moment besser anfühlt?
Du musst dich für die zweite Antwort nicht verurteilen.
Du solltest sie nur erkennen.
Dein Kind sollte dein Vermissen nicht für dich tragen müssen
Du darfst deinem Kind sagen, dass du dich auf es freust.
Du darfst sagen:
„Schön, deine Stimme zu hören.“
Oder:
„Ich hab heute an dich gedacht.“
Etwas anderes ist:
„Papa ist so allein ohne dich.“
„Ich vermisse dich jeden Abend ganz schrecklich.“
„Warum rufst du mich eigentlich nie an?“
Diese Sätze können ehrlich gemeint sein. Für dein Kind können sie trotzdem eine Aufgabe enthalten:
Kümmere dich darum, dass Papa weniger traurig ist.
STARK weist Eltern in der Trennungsverarbeitung ausdrücklich darauf hin, möglichst keinen Trost bei ihren Kindern zu suchen. Eltern dürfen altersgerecht erklären, dass es ihnen gerade nicht gut geht, die emotionale Entlastung sollte aber bei Erwachsenen liegen.
Dein Kind muss dein Vermissen also nicht wegmachen.
Es darf bei Mama, Freunden oder im anderen Zuhause gerade eine gute Zeit haben, obwohl du es vermisst.
Der erste Abend nach der Rückgabe braucht oft einen eigenen Plan
Besonders schwierig kann die Zeit direkt nach dem Abschied sein.
Solange dein Kind da ist, läuft der Tag.
Dann bringst du es zurück und kommst in eine plötzlich leere Wohnung.
Wenn du jedes Mal ohne Plan genau in dieses Loch fällst, darfst du den Übergang bewusst gestalten.
Nicht, um dein Kind möglichst schnell zu vergessen.
Sondern um selbst ebenfalls irgendwo anzukommen.
Vielleicht gehst du nach der Rückgabe eine Runde spazieren.
Vielleicht telefonierst du mit einem Freund.
Vielleicht kochst du etwas.
Vielleicht räumst du bewusst erst am nächsten Morgen auf, statt direkt alle Spuren des Wochenendes verschwinden zu lassen.
Oder du setzt dich tatsächlich für zwanzig Minuten hin und lässt zu, dass der Abschied gerade wehtut.
STARK empfiehlt bei der Verarbeitung einer Trennung genau diese Balance: belastende Gefühle nicht dauerhaft wegdrücken, aber genauso wenig ständig in ihnen kreisen. Hilfreich könne ein Wechsel zwischen bewusster Auseinandersetzung und Aktivitäten sein, die Abstand schaffen.
Der Plan lautet also nicht:
Bloß nichts fühlen.
Sondern:
Ich weiß, was ich tue, wenn es wieder still wird.
Gib dem Vermissen einen Platz statt den ganzen Abend
Manchmal funktioniert Ablenkung nur zehn Minuten.
Du startest einen Film und merkst, dass du gar nicht hinschaust.
Du gehst ins Fitnessstudio und denkst trotzdem an dein Kind.
Dann musst du nicht noch härter gegen das Gefühl arbeiten.
Du kannst ihm einen begrenzten Raum geben.
Setz dich hin.
Schreib auf, was dir gerade fehlt.
Nicht nur:
„Mein Kind.“
Sondern genauer:
„Das gemeinsame Abendessen.“
„Dass ich heute nicht weiß, wie sein Tag war.“
„Dass sein Zimmer leer ist.“
„Dass ich den nächsten Schulmorgen nicht erlebe.“
Konkrete Gedanken lassen sich oft besser sortieren als dieses eine riesige Gefühl namens Vermissen.
STARK empfiehlt bei der Trennungsverarbeitung unter anderem, Gedanken bewusst zu sortieren, beispielsweise schriftlich, und anschließend wieder andere Teile des Lebens in den Blick zu nehmen. Dauerndes Grübeln sei ebenso wenig hilfreich wie dauerhaftes Wegdrücken.
Du musst dein Vermissen nicht besiegen.
Du willst verhindern, dass es den gesamten freien Raum bekommt.
Rede mit Erwachsenen über den schweren Teil
Vielleicht bist du es gewohnt, Probleme allein zu lösen.
Arbeit funktioniert so oft ganz gut.
Vermissen wird dadurch nicht unbedingt leichter.
STARK nennt Unterstützung durch Freunde, Eltern oder andere vertraute Menschen als wichtigen Baustein bei der Bewältigung einer Trennung. Gespräche können Halt geben und verhindern, dass man ständig allein um dieselben Gedanken kreist.
Das Gespräch muss nicht jedes Mal drei Stunden dauern.
Manchmal reicht:
„Heute ist wieder Rückgabe gewesen. Der Abend ist gerade ziemlich mies. Hast du Zeit auf ein Bier oder eine Runde laufen?“
Das ist ein anderer Satz als die Nachricht an dein Kind:
„Papa ist heute so traurig ohne dich.“
Der Schmerz ist derselbe.
Aber du legst ihn an die richtige Stelle.
Bewegung hilft nicht, weil dein Kind dadurch weniger wichtig wird
Es kann sich merkwürdig anfühlen, nach der Rückgabe ins Fitnessstudio zu gehen.
Oder Fußball zu spielen.
Oder mit Freunden essen zu gehen.
Fast so, als würdest du das fehlende Kind durch Freizeit ersetzen.
Das tust du nicht.
STARK nennt körperliche Aktivität, Hobbys und eigene Interessen ausdrücklich als Möglichkeiten, die Trennungsverarbeitung zu unterstützen und wieder mehr Selbstwirksamkeit zu erleben.
Bewegung löst deine Familiensituation nicht.
Aber sie kann einen Abend verändern.
Aus vier Stunden auf dem Sofa mit denselben Gedanken werden vielleicht eine Stunde Training, eine Dusche, etwas zu essen und danach ein Abend, an dem das Vermissen immer noch da ist, aber nicht mehr alles ausfüllt.
Das reicht manchmal.
Du darfst die Tage ohne dein Kind auch genießen
Dieser Gedanke kann unerwartet schwer sein.
Du wachst Samstag ausnahmsweise ausgeruht auf.
Kein Frühstück machen.
Keine Fahrt zum Training.
Kein Streit über Medienzeit.
Du trinkst Kaffee in Ruhe.
Und plötzlich kommt das schlechte Gewissen:
Wie kann ich das genießen, wenn ich mein Kind doch so sehr vermisse?
Du darfst.
STARK rät getrennten Eltern ausdrücklich, sich Zeit für Dinge zu nehmen, die ihnen guttun, und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben. Die eigene Erholung und Verarbeitung kann eine Grundlage dafür sein, später wieder geduldiger und aufmerksamer für die Kinder da zu sein.
Dein Kind verliert nichts, weil du am kinderfreien Samstag einen guten Tag hast.
Du verrätst deine Vaterrolle nicht, wenn du Freunde triffst, ausschläfst, Sport machst oder irgendetwas tust, das nur dir gehört.
Du bist weiterhin Papa.
Auch wenn du gerade nicht aktiv Papa-Aufgaben erledigst.
Bau nicht dein gesamtes Leben um die nächste Übergabe
In den ersten Wochen oder Monaten kann es sich anfühlen, als bestünde die Zeit nur aus zwei Zuständen:
Kind da.
Kind nicht da.
Dann wird jeder kinderfreie Tag zu einer Warteschleife.
Noch sechs Tage.
Noch fünf.
Noch vier.
So verständlich das ist, langfristig brauchst auch du einen Alltag, der nicht ausschließlich bis zum nächsten Papa-Wochenende zählt.
STARK beschreibt die Trennung als eine Phase der Neuorientierung und empfiehlt, neben der Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen wieder Interessen, soziale Kontakte und Aktivitäten aufzunehmen.
Das bedeutet nicht:
Mach dich unabhängig von deinem Kind.
Es bedeutet:
Bleib ein Vater, der auch als erwachsener Mensch ein tragfähiges Leben hat.
Denn dein Kind soll später nicht erleben müssen:
„Wenn ich nicht bei Papa bin, hat Papa eigentlich kein Leben.“
Verbindung darf zwischen euren Tagen bestehen
Den eigenen Alltag wieder aufzubauen bedeutet nicht, dass du zwischen den Papa-Tagen verschwinden sollst.
Es kann gut sein, kleine Kontaktpunkte zu haben.
Eine kurze Nachricht.
Ein Insider.
Ein Foto aus deinem Tag.
Die Frage nach dem Mathetest, von dem dein Kind dir erzählt hatte.
Ein gemeinsames Projekt, das beim nächsten Treffen weitergeht.
Der entscheidende Unterschied ist der Druck dahinter.
BLEIB PAPA setzt deshalb auf kleine, wiederholbare Kontaktpunkte, die keine ständige Antwort verlangen und eure gemeinsame Geschichte zwischen zwei Treffen weiterführen. Das Ziel ist nicht möglichst viel Kontakt, sondern Kontakt, der sich selbstverständlich anfühlt.
Wenn dein Kind nicht antwortet, darf die Nachricht trotzdem ihren Zweck erfüllt haben:
Papa hat an mich gedacht.
Mehr musste in diesem Moment vielleicht gar nicht passieren.
Nicht jedes Vermissen lässt sich mit mehr Kontakt lösen
Vielleicht denkst du:
Wenn ich mein Kind einfach häufiger sehen könnte, wäre dieses Problem weg.
Mehr gemeinsamer Alltag kann natürlich einen großen Unterschied machen. Wenn du realistisch mehr Verantwortung und Betreuung übernehmen kannst und das zu eurem Kind passt, darfst du diese Frage sachlich klären.
Trotzdem kann selbst eine gute Umgangsregelung nicht dafür sorgen, dass du dein Kind nie vermisst.
Getrennte Elternschaft bedeutet fast immer, dass es Zeiten gibt, die du nicht miterlebst.
Das ist eine Realität, die schwer sein kann.
Deine Aufgabe besteht deshalb aus zwei verschiedenen Dingen:
Du darfst schauen, ob eure Betreuung und euer Kontakt gut zu eurem Kind passen.
Und du brauchst gleichzeitig einen Umgang mit den Zeiten, in denen dein Kind tatsächlich nicht bei dir ist.
Die zweite Aufgabe verschwindet nicht automatisch, wenn die erste besser gelöst wird.
Dein Vermissen sagt nichts darüber, wie sehr dein Kind dich gerade vermisst
Vielleicht steckt darin eine besonders schmerzhafte Frage:
„Denkt mein Kind gerade eigentlich genauso an mich?“
Du kannst es nicht wissen.
Und du solltest die Antwort auch nicht regelmäßig prüfen.
Kinder dürfen im anderen Zuhause aufgehen. Sie dürfen spielen, lachen und stundenlang nicht an Papa denken.
STARK betont, wie wichtig es nach einer Trennung ist, dass Kinder positive Beziehungen zu beiden Eltern haben können und nicht in Loyalitätskonflikte geraten.
Dazu gehört auch eine innere Freiheit:
Dein Kind darf sich bei seiner Mutter wohlfühlen, ohne damit deine Beziehung abzuwerten.
Du musst nicht genauso stark vermisst werden, wie du selbst gerade vermisst.
Liebe ist kein synchroner Gefühlszustand.
Sag deinem Kind ruhig, dass es dir wichtig ist
Dass dein Kind deinen Schmerz nicht tragen soll, bedeutet nicht, dass du kühl werden musst.
Du darfst Gefühle zeigen.
Nur sollten sie für dein Kind leicht tragbar sein.
„Ich hab mich auf dich gefreut.“
„Ich bin gern dein Papa.“
„Schön, dass du da bist.“
„Ich hab heute an dich gedacht.“
Der BLEIB-PAPA-Guide empfiehlt genau solche einfachen Sätze: ehrlich, nicht dramatisch und ohne Erwartung, dass das Kind etwas zurückgeben muss.
Damit bekommt dein Kind deine Zuneigung.
Nicht die Verantwortung dafür.
Manchmal steckt hinter dem Vermissen auch Einsamkeit
Nach einer Trennung verändert sich oft mehr als die Zeit mit dem Kind.
Die Partnerschaft ist weg.
Gemeinsame Freunde verändern sich vielleicht.
Die Wohnung ist stiller.
Wochenenden sehen anders aus.
Dann kann sich alles in einem Satz sammeln:
„Ich vermisse mein Kind.“
Und natürlich vermisst du dein Kind.
Vielleicht bist du gleichzeitig aber auch einsam.
Das zu unterscheiden ist hilfreich.
Denn gegen Einsamkeit gibt es andere Schritte als gegen fehlende Vater-Kind-Zeit.
Menschen treffen.
Freundschaften wieder aktivieren.
Ein Hobby beginnen.
Mit jemandem essen.
Sich einer Gruppe anschließen.
STARK beschreibt soziale Unterstützung und eigene Aktivitäten ausdrücklich als wichtige Hilfen in der Trennungsverarbeitung.
Wenn du versuchst, jede Form von Einsamkeit ausschließlich durch dein Kind zu lösen, wird die Vater-Kind-Beziehung mit einer Aufgabe belastet, die sie nicht tragen sollte.
Auch dein Kind kann dich vermissen und trotzdem okay sein
Vermissen gehört nach einer Trennung nicht nur zu deiner Seite.
Das Deutsche Jugendinstitut beschreibt, dass viele Kinder nach der Trennung den Elternteil vermissen, der gerade nicht da ist. Kinder können dabei traurig oder wütend sein und gleichzeitig lernen, mit der neuen Lebenssituation umzugehen.
Wenn dein Kind sagt:
„Ich vermisse dich.“
musst du daraus deshalb nicht sofort eine Krise machen.
Du kannst sagen:
„Ich vermisse dich auch. Und wir sehen uns am Freitag.“
Oder:
„Ja, das ist manchmal blöd. Ich freue mich auch schon.“
Ein Gefühl darf da sein, ohne dass sofort die gesamte Betreuungslösung infrage gestellt werden muss.
Natürlich solltest du genauer hinschauen, wenn dein Kind dauerhaft stark belastet wirkt.
Aber Vermissen an sich ist nicht automatisch ein Zeichen, dass etwas kaputtgeht.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Es gibt keine feste Zahl von Tagen oder Wochen, nach der Vermissen „zu viel“ ist.
Entscheidender ist, was es mit deinem Leben macht.
STARK beschreibt, dass starke Belastungen nach einer Trennung unter anderem mit Schlafproblemen und körperlichen Beschwerden einhergehen können und dass Beratung oder Therapie bei der Verarbeitung hilfreich sein kann. Auch Erziehungs- und Familienberatungsstellen unterstützen Eltern in Trennungssituationen.
Wenn du über längere Zeit kaum noch schläfst, dich bei der Arbeit nicht mehr konzentrieren kannst, dich vollständig zurückziehst oder das Gefühl hast, deinen Alltag nicht mehr zu schaffen, musst du nicht warten, bis es noch schlimmer wird.
Bei einer psychischen Krise nennt gesund.bund Hausarztpraxis und psychotherapeutische Praxen als Anlaufstellen; außerhalb der Sprechzeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zur Verfügung. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 116 123 erreichbar. Bei unmittelbarer Gefahr für dich oder andere gilt 112 beziehungsweise 110.
Das ist keine Niederlage beim Papa sein.
Es ist erwachsene Verantwortung für den Menschen, der dieser Papa ist.
Was du heute Abend tun kannst
Wenn dein Kind heute nicht bei dir ist und die Wohnung gerade besonders leer wirkt, musst du die nächsten zwei Jahre nicht lösen.
Mach nur diese vier Dinge:
- Benenn konkret, was du gerade vermisst. Nicht nur „mein Kind“, sondern den Moment oder den Teil des gemeinsamen Alltags, der dir fehlt.
- Entscheide, ob du heute Kontakt anbieten möchtest oder selbst Trost brauchst. Wenn du Trost brauchst, wende dich an einen Erwachsenen. Wenn du deinem Kind etwas schicken möchtest, mach es leicht und ohne Antwortzwang.
- Plane eine Sache außerhalb deiner Vaterrolle für die nächsten 24 Stunden. Sport, Freund, Spaziergang, Hobby, Arbeit an etwas Eigenem. Nicht als Flucht, sondern als Teil deines neuen Alltags.
- Notiere eine kleine Sache für eure Verbindung. Etwas, das du beim nächsten Treffen aufgreifst, ein gemeinsames Projekt oder ein Detail aus dem aktuellen Leben deines Kindes.
Dein Kind zu vermissen heißt nicht, dass du diesen Schmerz loswerden musst, bevor du wieder gut leben darfst.
Du darfst dein Kind vermissen und trotzdem lachen.
Du darfst die Tage ohne es nutzen und trotzdem ein präsenter Papa sein.
Und du darfst eine neue Form von Vatersein aufbauen, in der dein Kind nicht dafür verantwortlich ist, deine Leere zu füllen.
Papa bleibt auch dann Papa, wenn er sein Kind gerade vermisst.
Häufige Fragen
Ist es normal, mein Kind nach der Trennung so stark zu vermissen?
Starke und teilweise widersprüchliche Gefühle gehören bei vielen Menschen zur Trennungsverarbeitung. Für getrennte Eltern kommt hinzu, dass nicht nur die Partnerschaft, sondern häufig auch ein Teil des bisherigen Familienalltags wegfällt. Wie intensiv und wie lange diese Gefühle auftreten, ist individuell.
Soll ich meinem Kind sagen, dass ich es vermisse?
Ja, wenn du es leicht und ohne Erwartung formulierst. „Ich habe dich vermisst und freue mich, dich zu sehen“ ist etwas anderes als deinem Kind zu vermitteln, dass du ohne es kaum zurechtkommst. Dein Kind sollte deine Zuneigung kennen, aber nicht dafür zuständig werden, dich zu trösten.
Soll ich mein Kind anrufen, wenn ich es stark vermisse?
Das kann passen, wenn der Kontakt zu eurem Rhythmus und zu deinem Kind passt. Frag dich vorher, ob du Verbindung anbieten möchtest oder gerade eine Reaktion brauchst, damit es dir besser geht. Ein kurzer Kontakt ohne Antwortdruck kann hilfreicher sein als häufiges Nachfragen.
Was hilft gegen die leere Wohnung nach dem Papa-Wochenende?
Ein eigener Ablauf nach der Rückgabe kann helfen: Gefühle kurz zulassen und danach bewusst etwas tun, etwa einen Freund treffen, Sport machen, spazieren gehen oder einer anderen Tätigkeit nachgehen. Fachinformationen zur Trennungsverarbeitung empfehlen eine Balance zwischen bewusster Auseinandersetzung und Ablenkung statt dauerhaftem Grübeln oder dauerhaftem Verdrängen.
Ist es schlimm, wenn ich die kinderfreie Zeit irgendwann genieße?
Nein. Du bist nicht weniger Vater, weil ein ruhiger Abend oder ein freies Wochenende auch angenehm sein kann. Eigene Erholung, soziale Kontakte und Interessen können dir helfen, wieder Kraft für deinen Alltag und die Zeit mit deinem Kind zu haben.
Wie lange dauert es, bis das Vermissen leichter wird?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Frist. Trennungsverarbeitung verläuft sehr unterschiedlich und Gefühle können zeitweise wieder stärker werden. Entscheidend ist weniger, ob du dein Kind noch vermisst, sondern ob du mit dem Gefühl zunehmend leben kannst, ohne dass dein gesamter Alltag davon beherrscht wird.
Was mache ich, wenn mein Kind sagt, dass es mich auch vermisst?
Nimm das Gefühl ernst, ohne es größer machen zu müssen. Ein ruhiger Satz wie „Ich vermisse dich auch und freue mich auf Freitag“ kann Nähe und Orientierung geben. Kinder können einen abwesenden Elternteil vermissen und sich gleichzeitig im anderen Zuhause wohlfühlen.
Wann sollte ich mir wegen meines Vermissens Hilfe holen?
Wenn die Belastung über längere Zeit deinen Schlaf, deine Arbeit, soziale Kontakte oder deinen Alltag stark beeinträchtigt, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Erziehungs- und Familienberatung, Hausarztpraxis oder psychotherapeutische Beratung sind mögliche erste Anlaufstellen; in einer akuten psychischen Krise gibt es zusätzlich Bereitschafts- und Krisendienste.
Quellen
- STARK / Ludwig-Maximilians-Universität München: Die Trennung bewältigen
- STARK / Deutsches Jugendinstitut und Ludwig-Maximilians-Universität München: Kinder in der Trennungssituation
- Deutsches Jugendinstitut: Die Trennung der Eltern bewältigen
- Familienportal des Bundes: Getrennt erziehend & Alleinerziehend
- gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen

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