Sonntagabend, wenn die Tür zufällt

Inhalt
Die Tasche steht gepackt im Flur. Ihr habt noch schnell die Zähne geputzt, die Jacke gesucht, das Kuscheltier eingepackt. Dann die Umarmung, die Tür, das Auto.
Und dann bist du wieder allein in einer Wohnung, in der vor zehn Minuten noch jemand gelacht hat.
Die Stille ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft
Viele Väter erzählen mir, dass ihnen dieser Moment jedes Mal aufs Neue zusetzt. Und dass sie sich dafür fast ein bisschen schämen. Als müssten sie das nach ein paar Monaten doch im Griff haben.
Musst du nicht. Dass dir die Stille auffällt, heißt nur, dass dir etwas fehlt, das dir wichtig ist.
Schwierig wird es erst, wenn aus diesem Gefühl Handlungen entstehen, die eher dir helfen als deinem Kind. Der Anruf um 20 Uhr, obwohl dein Kind gerade ins Bett geht. Die dritte Nachricht am Montag, weil auf die zweite keine Antwort kam. Das aufwendige Programm fürs nächste Wochenende, weil du das Gefühl ausgleichen willst.
Nähe entsteht nicht dadurch, dass du mehr machst. Sondern dadurch, dass dein Kind dich als verlässlich erlebt.
Was in den Tagen danach hilft
Ein fester Moment statt vieler spontaner. Ein kurzer Anruf am Mittwochabend, jede Woche zur gleichen Zeit, wirkt für ein Kind stärker als fünf spontane Nachrichten. Dein Kind muss nicht überlegen, wann du dich meldest. Es weiß es.
Etwas erzählen statt abfragen. „Wie war die Schule?” führt bei den meisten Kindern zu „gut”. Erzähl stattdessen kurz von deinem Tag. Kinder steigen leichter ein, wenn sie nicht das Gefühl haben, Auskunft geben zu müssen.
Den Abschied nicht schwerer machen, als er ist. Wenn du beim Abschied traurig wirkst, spürt dein Kind das und trägt es mit. Ein klarer, warmer Abschied mit einem Ausblick hilft mehr: „Wir hören uns am Mittwoch.”
Und dein eigener Abend?
Plane für den Sonntagabend etwas ein, das dir guttut. Nicht als Ablenkung, sondern damit die Stille nicht der einzige Inhalt des Abends ist. Ein Anruf bei einem Freund, ein Spaziergang, Sport, irgendetwas mit einer festen Uhrzeit.
Der Abschied wird dadurch nicht leichter. Aber der Abend danach wird weniger leer.
Häufige Fragen
Ist es normal, dass mich der Abschied jedes Mal wieder trifft?
Ja. Dass dir die Stille auffällt, heißt nur, dass dir etwas fehlt, das dir wichtig ist. Viele Väter erzählen, dass sie sich dafür fast schämen, weil sie es nach ein paar Monaten im Griff haben müssten. Musst du nicht.
Wie oft sollte ich mich zwischen den gemeinsamen Tagen melden?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Verlässlichkeit wirkt aber stärker als Häufigkeit: Ein kurzer Anruf am Mittwochabend, jede Woche zur gleichen Zeit, gibt deinem Kind mehr Halt als fünf spontane Nachrichten. Es muss nicht überlegen, wann du dich meldest, es weiß es.
Mein Kind antwortet einsilbig. Was kann ich anders machen?
Erzähl statt abzufragen. „Wie war die Schule?“ führt bei den meisten Kindern zu „gut“. Wenn du kurz von deinem eigenen Tag erzählst, steigen Kinder leichter ein, weil sie nicht das Gefühl haben, Auskunft geben zu müssen.

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